CD - Tipps Winter 2002/03

 

Kamelot - Epica Der Name ist Programm! Epic-Metal könnte man den Stil der Florida Powermetaller nennen. Die Grundstimmung ist ein wenig düster und geheimnisvoll. Aber ständig garniert mit glasklaren eingängigen Melodien. Dieses abwechslungsreiche, stimmungsvolle Album stellt für mich den absoluten Höhepunkt des letzten Quartals dar. Wer Avantasia, Edguy, Hammerfall und andere Melodicmetals zu seinen Faves zählt kommt um dieses Teil nicht rum! Ungewöhnlich die Verbeugung vor Sangesgöttin Kate Bush mit dem, von der Backgroundsängerin vorgetragenen, "Helenas Theme"! Wahnsinnsplatte, Pflichtkauf!!!
Hammerfall - Crimson Thunder  Die nicht ganz unumstrittenen Schweden haben mal wieder richtig zugeschlagen. Das ist melodischer, bodenständiger, purer Heavy - Metal wie ihn seit den 80ern kaum eine Band hinbekommen hat. Das ist meine Meinung und die können mir alle Nörgler dieser Welt, die Hammerfall für Nachmacher halten die angeblich  nur auf der Mitte/Ende der 90er aufkommenden "Truemetalwelle" absahnen wollten, nicht nehmen. Wem diese Ohrwürmer nicht im Ohr hängen bleiben, sollte lieber bei Deutschland sucht den  Superstar mitmachen...
Final Breath - Mind Explosion Auf diese junge Band wurde ich beim lesen meiner Tageszeitung aufmerksam. In einem Artikel wurde die Internetpräsenz dieser  Death/Thrash  Metalband gelobt: www.finalbreath.de Nachdem ich kurz übers Internet Kontakt mit den Jungs aufnahm und mal ein paar MP3s anhörte, kam meine alte Thrasher Ader wieder zum Vorschein und ich kaufte mir diese super produzierte CD und war sehr positiv überrascht. Ideale Musik um mal wieder so richtig Frust abzubaun -  knüppelt fett aus den Boxen und ist technisch einwandfrei und sauber gespielt. Wer Slayer und Machinehead nicht für unerträglichen Lärm hält, ist hier sehr gut bedient und unterstützt noch ganz nebenbei ein paar junge Newcomer dies verdient haben!
Porcupine Tree - In Absentia Mit dieser Band kommen wir wieder in etwas leisere Gefilde. Die Vergleiche gehen eher in Richtung Pink Floyd, alte Genesis und 70er Artrock. Allerdings klingen sie keineswegs altbacken, sondern kommen in einem modernen Gewand einher. Oft genug wird man an die wohl verblichenen Spock`s Beard erinnert - und das ist alles andere als negativ. Von Gitarrenrock bis atmosphärisch ist hier, wie bei den oben erwähnten Bärten, alles vertreten. Ich bin mal gespannt wie sie live klingen, ich werde sie in einigen Tagen im ausverkauften Colossaal in Aschaffenburg erleben...
Everon - Flesh Diese deutsche progressive Metalband habe ich ja schon bei CD- Tipps Herbst 2002 empfohlen und schnell wie der Wind haben sie doch tatsächlich innerhalb von einem Jahr ein neues Album nachgeschoben! Flesh erscheint mir etwas verschachtelter und nicht ganz so eingängig wie der Vorgänger. Aber die Komplexität die oft die Melodien nimmt, wird von der fantastischen Stimme Oliver Philipps` kompensiert. Also auch in diesem Fall: Absolute Kaufempfehlung!
Arena - Contagion Die Supergroup um Workaholic Clive Nolan (u.a. Pendragon) und Ex- Marillion Trommler Mick Pointer sind ein absolutes Highlight der Progressive-Rock Szene! Die allgegenwärtigen Keyboards Nolans` die herausragende Rhythmusarbeit,  der glasklare Gesang mit mehrstimmigem Chorus und die Gitarrensoli von John Mitchell, sind schon seit einigen Jahren die Markenzeichen dieses Quintetts! Dies ist wahrhaftig anspruchsvolle Rockmusik, die man am besten unterm Kopfhörer genießt und den Rest der Welt vergisst...
Paradise Lost - Symbol Of Life Ich habe noch sehr gut in Erinnerung wie die Engländer Anfang der 90er Jahre als reine Deathmetal- band groß herauskamen. Damit gaben sie sich aber nicht zufrieden und "erfanden" anschließend den Deathmetal mit "femmale Vocals" der mittlerweile hunderttausendfach, wie selbstverständlich kopiert wird. Aber damals war es ein einschneidendes Erlebnis "Gothic" zu hören. PL haben wohl die tiefgreifendste Entwicklung der ganzen Szene gemacht! Selbst von Metallica kann man dies kaum so behaupten. Dies hat aber natürlich nichts mit der immer noch (oder wieder) existierenden Klasse dieser neuen Scheibe zu tun. Ganz in den Pop ist man immer noch nicht abgedriftet, die Gitarre ist immer noch Hauptbestandteil und der coole Gesang von Nick Holmes macht sie unverwechselbar. Eigentlich ist alles dabei was ich so mag: Weiblicher Backgroundgesng und eben 80er Jahre Pop (um nicht zu sagen Depeche Mode) gepaart mit Metal Riffs. Wers eben Mag, ich mags...
Stratovarious - Elements Part 1 Huch jetzt bin ich aber oben bei Paradise Lost ganz schön abgedriftet! Dafür gab es halt bei Stratovarius nicht soviele unvorhersehbare Wendungen in ihrer Karriere. Kennt und mag man die Vorgängeralben wird man bei "Elements" begeistert zugreifen. Sie haben ihren klassischen Stil noch weiter ausgefeilt und das Songwriting wird immer komplexer. Mehrere Longtracks mit dem 12 minütigen Höhepunkt "Elements" bezeugen dies! Auch diesen Longplayer kann man jetzt schon getrost zu den Highlights des Jahres zählen. Viel besser kann man diesen Musikstil nicht mehr zelebrieren.
Masterplan - Same Ein Debütalbum mit gestandenen Musikern! Keine geringeren als Roland Grapow und Uli Kusch (ex- Helloween) sind die Gründer dieses neuen Projekts. Als Sänger nahm man den hervorragenden Jorn Lande hinzu und was der abreißt hat mich fast vom Schemel gerissen! Also,  ich hab da doch tatsächlich mal den guten alten Ronnie Dio zu hören gemeint, dann klingt er wieder ein wenig nach Coverdale! Wenn das mal keine Vergleiche sind. Beim Verfassen dieser Zeilen hatte ich eigentlich noch garnicht oft genug Gelegenheit mir die Gassenhauer dieser CD um die Ohren zu haun, aber schon nach den ersten Eindrücken spüre ich, dass hier was ganz großes Läuft. Geht sofort in die Ohren. Von der schnelleren Nummer über Midtempostampfer bis zur unvermeidlichen Ballade, hier sind absolute Profis am Werk!
SAGA - Marathon "Keine Experimente" hieß der Wahlslogan der CDU in den 50er Jahren und auch diesen Spruch benutzte ein Kritiker einer Tageszeitung über Saga, nachdem er ein Konzert der selbigen besuchte. Zum Konzert kann ich nix sagen, aber auf die CD trifft es grob zu. Kurz gesagt: Wo Saga drauf steht ist auch Saga drin. Als Fan- der ersten (naja eher 2.) Stunde greife ich schon seit über 20 Jahren (damals war ich 10 -"In Transit" ) bedenkenlos zu, wenn es heißt "die neue Saga". Richtig enttäuscht wurde ich nie und das ist auch dieses mal wieder der Fall. Wer diese Band kennt, weiß was ich meine und zu dem Satz "Keine Experimente" kann ich nur sagen: Brauchen sie auch nicht, denn sie waren schon vor  20 Jahren ihrer Zeit bereits weit, weit voraus!
Lanfear - The Art Effect Einst die deutsche progressive Metal Hoffnung. Ich habe mir `99  ihre, in Eigenregie produzierte, CD "Zero Poems" zugelegt und das war damals eine der besten Scheiben des Jahres! Auch dieses Mal wurden sie wieder heftig von der Presse abgefeiert. Man muss aber erwähnen, dass sie ihren Stil schon stark Richtung schlichterem Power- Metal geändert haben. Diese CD habe ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht eingehend genug hören können um mir ein endgültiges Urteil zu bilden. Aber so überzeugt wie etwa Masterplan die ich mir zum gleichen Zeitpunkt zugelegt habe, hat sie mich (noch) nicht.
Tom Petty & The Heartbreakers - The Last DJ Tom Petty ist auch so ein Nostalgiefall wie z.B. Saga. Das Video "Get Lucky" lief damals (ca. ´82) bei der Mutter aller VIVAs "Formel Eins" mit Peter Illmann auf dem dritten (von dreien) Programm! Allerdings habe ich nach diesem einschneidenden Erlebnis ein wenig den Anschluss zu Tom verloren, weil ich mich fast nur noch mit ganz harten Tönen beschäftigte. Erst mit "Into The Great White Open" wurde mir wieder bewusst welch Klasse Songwriter hier am Werke ist. Auf dieser Tour (ca.`91) habe ich ihn dann zum ersten Mal live gesehn und ich kann mich bis heute noch sehr genau an viele Details dieses Konzertes erinnern. Tom Petty ist ein ganz großer der Rockgeschichte und hat mal wieder ein einwandfreies Gitarrenrockalbum abgeliefert!
Phil Collins - Testify Siehe oben zum Thema Nostalgie! Ich sage nur In "The Air Tonight" ,"Mama", "Land Of Confusion"... das warn halt noch Zeiten! Ich bin heute aber schon soweit die Musik die er jetzt macht als belanglose Popmusik zu bezeichnen, wenn da nicht doch ab und zu nochma seine Klasse durchblitzen würde. Nichts desto trotz: Ein Mann mit großer Vergangenheit, heute nur noch zum Nebenbeihören bei der Hausarbeit geeignet!
Boston - Corporate America  Diese ohrwurmfabrizierende Band erkennt man spätestens 10 Sekunden nach drücken der Playtaste. Dies ist auch bei dieser CD wieder der Fall, der unverwechselbare Sound von Boston wird wieder in bester Form umgesetzt, die Gitarrenharmonien und der Schwanengesang lassen einen dahinschmelzen,... ähem! Schade dass sie immer zwischen 5 und 8 Jahren brauchen bis sie wieder ein neues Album herausbringen. Dafür kann man aber immer bedenkenlos zugreifen und der Geldbeutel wird nicht so oft strapaziert!
Mägo de Oz - Folktergeist Ich könnte mir heute noch in den Arsch beißen dass ich die Spanier mit dem ungewöhnlichen Namen auf dem Bang Your Head 2002 nur von außerhalb des Geländes hören konnte. Bis ich drinnen war, hatten sie gerade aufgehört. Dafür entschädigt mich diese ungewöhnlich aufwendig gemachte Doppel Live CD! Man bekommt Hautnah mit wie die 8 (!) Musiker auf ihrer Spanientour 2000-02 von den rasenden Fans abgefeiert werden. Folkloristisch angehaucht mit Violinenbegleitung und allerlei Rockmusik- untypischen Instrumenten fetzen sie ab ohne Ende! Dazu der spanischsprachige Gesang der - natürlich - an die genialen "Heroes del Silencio" erinnert. Für mich sind Mägo de Oz ein bißchen die spanischen Skyclad!
Skyclad - Brewed In Newcastle Stichpunkt "Skyclad": Wem dieser Name nichts sagt, erfährt eben jetzt von mir, dass sie die "Erfinder" des Folk- Metals sind. Anfangs mit zaghaften Versuchen eine Violine und keltische Musik einzubauen, nahm dieses Stilmittel immer mehr Platz ein. Dieses neue Album, aufgenommen mit neuem Sänger nachdem der charismatische Martin Walkyer die Band verlassen hatte, ist Zeugnis einer bemerkenswerten Entwicklung. Leider werden hier nur ältere Titel in neuem Gewand verwurstet, aber ein komplett neues Album mit dem neuen Mann am Mikro ist in Arbeit. Ich hatte das Glück die Besetzung schon live gesehen zu haben (vor 50 Nasen) und ich war restlos begeistert! Auch wenn es an Blasphemie in Richtung Walkyer grenzt: Ich finde sogar dass der jetzige Sänger zum derzeitigen Stil besser passt! Nichts gegen Martin Walkyer (ich habe seit der ersten "Sabbat" 1988 ALLE Platten gekauft auf denen er gesungen hat) aber jetzt wird eben nur noch English- Folk gespielt und da passt seine rauhe Stimme eben nicht mehr so! Ausserdem hat er ja aus eigenen Stücken die Band verlassen.
Cruachan - The Middle Kingdom Dies ist schon ein älteres Album von `99, habe es aber erst jetzt in die Finger bekommen. Auf diesem Rundling gehts vielleicht ab: Von echtem unverfälschtem Irish Folk über ...ähem "speedfolk" zum headbangen, bis hin zu  Deathmetalartigen einsprenkseln, um dann wieder in typisch irischen Frauengesang überzugehen... Ich ordere ständig Nachschub dieser herausragenden Band. Achtung Suchtfaktor!
Lacrimosa - Echos Während ich diese Zeilen schreibe ist es mittlerweile 3.39 Uhr geworden, denn ich habe diese komplette Seite in einem Aufwasch geschrieben (und die Cover eingescannt) und jetzt könnte ich noch so richtig vom Leder ziehn und loslästern ohne Ende, aber lassen wir das! Ich habe schon Rezensionen gelesen, da hieß es "...CD zu verschenken..."! Ganz so weit will ich mit Lacrimosa nicht gehen, aber diese Musik geht irgendwie nicht an mich. Laut Booklet haben die seit 1991 schon 9 Alben herausgebracht! Beachtlich! Schätze mal damals wars noch Death- Metal !? Also zur aktuellen Scheibe kann ich im Moment nur sagen: Für stark suizidgefährtete Personen nicht geeignet! Das erinnert mich irgendwie an das Duett "Rosenstolz", die mal am Grandprix Vorentscheid teilnahmen. Sorry! Ich werde der CD noch die eine oder andere Chance geben und sie einlegen. Aber im Moment seh ich die Sache wie oben beschrieben!...Und Tschüss!

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